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Nach Aufholjagd Sieg vergeben

Nächster Wölfe-Krimi, wieder Punkt weg mtv luwa

Die Wünsdorfer Wölfe müssen den nächsten Punktverlust hinnehmen. Gegen die HV Luckenwalde 09 verzeichnen die Wölfe am Ende ein 23:23, teilen sich mit der HV die Punkte. Nach einer extrem effektiven ersten Halbzeit der Gäste lagen die Wölfe zwischenzeitlich sogar mit sieben Toren in Führung. Die Wölfe konnten den Rückstand egalisieren und sogar die Führung übernehmen, konnten am Ende des Spiels den Sieg aber nicht ins Ziel retten. Der nächste Wölfe-Krimi, an dessen Ende wieder Punkte weg sind. Mehr...

 von Conrad Hipp
Fotos: Julia Ehmig

Am Ende feierte Luckenwalde ihren Torhüter Pakertharan Jeyabalan. Die Wölfe hingegen waren niedergeschlagen, weil der HV-Torhüter den Wölfen in letzter Sekunde den Lohn einer beeindruckenden Aufholjagd nahm. Zuvor gab es für die Wölfe eine Achterbahnfahrt der Gefühle und eine bunte Schlussphase.

Seit dem Sommer hatte die HV Luckenwalde immer wieder personell nachgerüstet. Auch gegen die Wölfe gab es wieder einen Neuling, Torhüter Jeyabalan feierte sein Debüt. Das Ziel: Das Team um die neue Trainerin Nicole Klante will aus dem Tabellenkeller der Verbandsliga Süd endlich raus. Das gelang bisher in dieser Saison nur bedingt. Ein Sieg und ein Remis standen zu Buche, dementsprechend motiviert und mit gut gefülltem Kader reiste die Handballvereinigung ins Wolfsrevier. Und dort überraschte Luckenwalde die Wölfe ziemlich böse.

beckerjubel mtv luwaNach einer offenen Abtastphase beider Mannschaften drückte Luckenwalde aufs Tempo. Die offensive MTV-Abwehr zeigte Lücken, die von der HV gnadenlos ausgenutzt wurden. So wurde aus dem 3:3 (6.). plötzlich ein 3:6 (10.). Die Wölfe waren in der Deckung zu offen, Luckenwalde erwischte offensiv im Gegenzug einen wahnsinnig torgeilen Tag. Und für die Wölfe kam es noch schlimmer. Luckenwalde konnte sich weiter absetzen, spielte sich in einen Rausch und führte plötzlich mit 6:13 (22.). Die Wünsdorfer Halle stand unter Schock, fühlte sich völlig im falschen Film. 

Doch die Wölfe raffen sich dann wieder auf und arbeiten den Rückstand Stück für Stück weg. Angeführt vom Spielmacher-Duo Dirk Becker und Nils Seegebrecht, die das Team in dieser Phase führen und mitreißen, bauen sich die Wölfe wieder auf. Trainer Matthias Wehlmann: „Die Mannschaft hat eine starke Moral gezeigt. Nach einem so hohen Rückstand noch einmal zurückzukommen, macht nicht jedes Team.“ Zweieinhalb Minuten vor der Halbzeitsirene trifft Luckenwaldes Tom Giesing zum 10:15. Bis zu diesem Zeitpunkt hat Luckenwalde erst vier Fehlwürfe auf dem Konto. Eine Wurfquote von 78,9%, die sich bis zur Pause auf immer noch sensationelle 71,4% reduziert. Die Wölfe reduzieren zudem den Rückstand auf nur drei Tore und bringen sich somit für die zweite Halbzeit wieder ins Gespräch.

Halbzeitstand: Wünsdorfer Wölfe – HV Luckenwalde 09 12:15

Die zweite Hälfte beginnen die Wölfe mit Oberwasser. Die Abwehr steht jetzt deutlich konstanter, auch die überragende Wurfquote der HV brökelt langsam vor sich hin. In den ersten acht Minuten nach Wiederanpfiff produziert die HV genau so viel Fehlwürfe wie in den ersten 25 Minuten des Spiels. Und die Wölfe sind auch in den ersten Minuten der zweiten Halbzeit wieder ran. Luckenwalde ist mittlerweile mit seinem Spiel nicht mehr zufrieden. Auch Torhüter Jeyabalan musste jetzt erst einmal seinen Kasten räumen. 36. Minute: Egor Vikhrov netzt von Linksaußen. Ein sehenswerter Wurf an den langen Pfosten, von dort aus geht der Ball ins Tor – 15:16. 38. Minute: Nils Seegebrecht steckt stark durch, Justin Rackwitz kriegt am Kreis den Wurf, bringt den Wölfen so den Ausgleich – 17:17. Alles wieder offen.

hawa mtv luwaJetzt sind die Wölfe am Drücker, schieben sich in Richtung Führung. Lars Baumann bringt mit einem sehenswerten Hüftwurf aus dem Rückraum das 19:18 – die erste Wölfe-Führung seit der 5. Minute (3:2). 17 Minuten noch auf der Uhr, die Wölfe haben jetzt das Momentum für sich, können es aber erneut nicht nach Hause bringen. Der MTV kann die Führung zwar zunächst behaupten, aber nicht ausbauen. Wehlmann: „Wir hatten insgesamt einfach zu viel Angriffe im Spiel, die nicht zu einem Tor geführt haben. Damit wird es am Ende dann schwer.“ Luckenwalde haderte viel mit sich selbst, kassierte eine Verwarnung und eine Zeitstrafe gegen die Bank. Auch Torhüter Steve Kühne musste zwischenzeitlich wegen Meckerns für zwei Minuten runter. Alles Dinge, die den Wölfen in die Karten spielten, aber am Ende nicht reichten. Sechs Minuten vor dem Ende kann Max Hawaleschka dann aber trotzdem auf 23:21 stellen, jetzt haben es die Wölfe selbst in der Hand. Doch in den letzten sechs Minuten fehlt den Wölfen die Durchschlagskraft zum Tor. 

Neun Sekunden vor dem Ende gelingt Thomas Eyssen der Treffer zum 23:23, dann verschenkt Trainer-Sohn Steven Klante den Wölfen leichtfertig die Siegchance. Beim Zurücklaufen behindert er den Anwurf der Wölfe, in dem er durch den Mittelkreis läuft. Die Entscheidung: Zeitstrafe und Siebenmeter. Da es seine dritte war, sieht er noch die Rote Karte und somit die Schlussphase von draußen. Siebenmeter Wünsdorf und die Chance, aus diesem kuriosen Spiel doch noch als Sieger vom Platz zu gehen. Dirk Becker tritt an – und scheitert am neuen Luckenwalde-Schlussmann Jeyabalan. Die Sirene ertönt, Luckenwalde stürzt sich auf seinen Keeper, der während der Wünsdorfer Aufholjagd von der angefressenen Trainerin auf die Bank zitiert wurde. Das volle Programm Handball-Drama in der Wünsdorfer Paul-Schumann-Halle und eine Punkteteilung, bei der beide Mannschaften den Sieg zwischenzeitlich selbst in den Händen hatten.

Wehlmann resümiert: „Die Moral der Mannschaft stimmt. Das hat sie bewiesen. Das Team gab sich trotz sieben Toren Rückstand nicht auf und hat sich den Ausgleich erarbeitet. In der entscheidenen Phase hat uns dann schlichtweg die Erfahrung gefehlt. Man darf nicht vergessen, dass wir immer noch eine extrem junge Mannschaft haben, die während eines Spiels viel rotiert. Die Spieler sollen sich ja auch mit den Spielen weiterentwickeln. Das können sie nur, wenn jeder seine Spielzeit erhält. In solchen Spielen wie heute zeigt man dann zwar eine riesige Moral und ein riesiges Herz, muss dann am Ende halt aber doch Lehrgeld zahlen.“

Die Wölfe beenden den Spieltag nach dem Remis auf Platz 7, haben am kommenden Wochenende die Reise zur HSG Schlaubetal auf dem Programm. Beim Tabellenzweiten sind die Wölfe klarer Außenseiter, aber diese Rolle stand ihnen ja zuletzt unter anderem bei der OSG Fredersdorf-Vogelsdorf ganz gut.

Der Vi Tva Man of the Match

Nils Seegebrecht schafft das Double! Der Spielmacher führte in der schwierigen Phase des Spiels an der Seite von Routinier Dirk Becker das Team, war in der Abwehr immer wieder ein Störenfried für den gegnerischen Angriff. Auch in der Offensive setzte er Akzente. Zwar gab er diesmal die Verantwortung an der Siebenmeterlinie ab, brachte dafür aber drei schöne Tore aus dem Rückraum ein, bereitete aus dem Spiel zehn Treffer für seine Kollegen vor und holte zudem drei Siebenmeter raus. So wurde der Spielmacher wie schon im Heimspiel gegen Bad Liebenwerda im zweiten Heimspiel in Folge zum Vi Tva Man of the Match.

seegebrecht mtv luwa

Wünsdorfer Wölfe – HV Luckenwalde 09  23:23 (12:15)

Wünsdorfer Wölfe: Barsch, Hirsing – Baumann 4, Zühl 4 (0/1), D. Becker 4 (4/6), N. Seegebrecht 3 (0/1), Kuschel 2, Hawaleschka 2, Wendland 2, Rackwitz 1, Vikhrov 1 (0/1), Benz, Worch, T. Becker
HV Luckenwalde 09: Jeyabalan, S. Kühne, Kallweit – Giesin 7 (2/3), Ljunggren 4, Stelter 3, Th. Eyssen 3, Schamott 3, S. Klante 3 (1/1), Junge, Kirchner, Langenickel, Much
Schiedsrichter: Dirk Bischoff / Frank Hoffmann

Gelbe Karten: Vikhrov, N. Seegebrecht – S. Klante, Ljunggren, Giesin, N. Klante (Trainerin)
Zeitstrafen: 7:8 (3x Rackwitz, 2x Vikhrov, T. Becker, Zühl – 3x S. Klante, Th. Eyssen, Schamott, Langenickel, S. Kühne, Betreuer Roth)
Rote Karten: Justin Rackwitz (Wünsdorfer Wölfer/50. wegen dritter Zeitstrafe), Steven Klante (HV Luckenwalde 09/60. wegen dritter Zeitstrafe)
Blaue Karten: –

Siebenmeter: 4/9 (44,44%) – 3/4 (75%)
Wurfquote: 23/49 (46,9%) – 23/43 (53,48)