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Balsam für die Rudel-Seele

Wölfe mit überzeugendem Heimsieg

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Die Wünsdorfer Wölfe konnten in der Verbandsliga Süd endlich wieder einen Sieg erringen. Nach zuletzt sieben Niederlagen in den vergangenen acht Spielen überzeugte das Rudel gegen den HC Spreewald II und feierte einen 33:23-Erfolg in der heimischen Halle. Durch den Sieg beenden die Wölfe nicht nur ihre Negativ-Serie, sondern tanken eine ordentliche Portion Selbstvertrauen und sichern sich zudem auch rechnerisch endgültig den Klassenerhat. Mehr...

 von Conrad Hipp
Fotos: Victoria Becker & Julia Ehmig

hawa klaus abwehrDer Hunger der Wölfe auf zwei Punkte war groß. Nur eine Woche nach der bitteren Derby-Niederlage gegen die SG Schöneiche wollten die Wölfe nun die entsprechende Reaktion zeigen. Der Gegner versprach dabei eine spannende Partie. Wünsdorf gegen Spreewald - das kann nichts Deutliches werden, so die Zahlen. Die vergangenen beiden Aufeinandertreffen endeten jeweils 25:25 unentschieden. Das letzte Duell, in dem es einen Sieger gab, war im Oktober 2017. Damals siegte der HC mit 18:17. Auf drei Spiele gesehen also liegt zwischen beiden Teams also exakt ein Tor Differenz.

Seit der Rückkehr in die Verbandsliga waren die Wölfe und der HCS also immer gleichauf. Nicht nur in den direkten Duellen, sondern auch in der Tabelle. In der Vorsaison beendete man die Spielzeit sogar punktgleich auf Platz 5 und 6. In dieser Saison laufen beide Teams ihren Möglichkeiten hinterher, sind vor dem Duell aber natürlich wieder Tabellennachbarn - Platz 8 empfängt Platz 7, beide haben vier Siege und zwei Remis auf dem Konto.

Beim Blick auf die Erwärmung bekommt man als Wölfe-Fan schon die erste Hoffnung. Der HCS reist mit nur acht Spielern an, hat also auf der Bank nur einen Feldspieler zur Reserve. Allerdings trügt der Schein, denn von den besten vier Werfern des HCS sind dennoch drei Spieler am Werk. Unter anderem war Jonas Jecke dabei, im Hinspiel mit fünf Buden zweitbester Werfer. In der Vorsaison erzielte er beim 25:25 in Wünsdorf schon 12 Tore. Auf den flachen Kader sollte also kein Verlass sein.

hawa wurf mtv hcsIns Spiel: Der erste Wünsdorfer Ballbesitz strahlt schon die komplette Ruhe aus. Die Wölfe sortieren sich, lassen sich Zeit, üben aber gleichzeitig Druck auf die Abwehr aus. Immer wieder werden die Angriffe unterbrochen. So muss das erste Tor warten. Nach 130 Sekunden trifft Lars Baumann zum 1:0, der Knoten geplatzt, schnell umschalten. „Wir konnten uns in der Abwehr wieder zu 100% stabilisieren", erklärt Trainer Matthias Wehlmann. Und das unterstreicht der MTV von der ersten Minute an. Ungewohnt: Hinter der Abwehr hütet Nils Andreas die Kiste. Der Grund: Nils Barsch fällt wegen einer Verletzung am Daumen aus, Carlo Hirsing lag die Woche über mit Fieber im Bett und sitzt zunächst auf der Bank. Dennoch klappt das Defensivspiel, weil die Wölfe konsequent attackieren und das Offensivspiel der Gäste früh bedrängen.

So dauert das erste Gegentor über fünf Minuten. Da hat der MTV selbst schon drei Tore erzielt und einen guten Start hingelegt. Wichtig: Denn mit den Niederlagen im Rücken braucht das Team Erfolgserlebnisse um sich ins Spiel reinzusteigern. Und genau das gelingt endlich: In der Abwehr können immer wieder Bälle gewonnen werden. Oft hat der Keeper die Auswahl zwischen Max Hawaleschka und Tim Wendland, die nach dem Ballverlust des Gegners schnell vorn sind und per Konter die Führung ausbauen (5:1/7.). Oft hebt das Schiedsrichtergespann Eugen Hofmann / Matthias Leinzt bei Angriffen des HCS den Arm um passives Spiel zu signalisieren, weil der MTV die Gäste konsequent vom eigenen Tor weghält. 

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Dahinter macht Aushilfs-Keeper Andreas einen seriösen Job. Zuvor zeigte er bei der zweiten Mannschaft eine starke Leistung. Nun knüpft er bei Team I nahtlos an. Eigentlich sollte nach den ersten Minuten ein Wechsel im Tor erfolgen. Da das Spiel aber läuft und Andreas seine Sache gut macht, kann es sich der MTV leisten, den angeschlagenen Hirsing nach seiner Krankheit zu schonen. Insgesamt kann Andreas acht von 22 Würfen, die auf sein Tor kommen, parieren. Kurz vor der Pause kassiert der MTV doch noch das zehnte Gegentor, geht aber dennoch mit einer sicheren Führung in die Pause.

Halbzeitstand: Wünsdorfer Wölfe - HC Spreewald II 18:10

wendland mtv hcsNach dem Halbzeitpfiff werden die Wölfe mit einem Applaus in die Kabine verabschiedet. Das Publikum honoriert nicht nur die starke Leistung aus der ersten Hälfte, sondern ist selbst einfach erfreut, endlich mal wieder so ein Spiel zu sehen. Dennoch macht sich Bescheidenheit breit. Frei nach dem Motto beschreien wir es mal nicht erwartet man auch in Hälfte zwei eine seriöse Leistung der Wölfe.

Denen fehlt in den ersten Minuten nach Wiederanpfiff etwas die Anspannung. Der große Vorsprung sorgt für eine kurzzeitige Lethargie. In der Phase, in der der MTV steckt, eine gefährliche Situation. Würde man einen Vorsprung von acht Toren verzocken und wieder nicht gewinnen, gäbe es ordentlich was zu verarbeiten. Daher finden die Wölfe schnell wieder den Weg zurück in die Spur. Der HCS kann den Vorsprung auf sechs Tore einstauchen, danach wird es trüb im Gurkenwasser. (20:14/38.). 

Wehlmann: „Offensiv haben wir über weite Strecken unser Spiel gespielt. Wir hatten aber auch einige Passagen, wo wir gemerkt haben, dass wir noch abgezockter werden müssen." Damit spricht Wehlmann die Chancenverwertung an, die sich wegen 33 erzielter Tore und zehn Toren Vorsprung im Endstand schwer diskutieren lässt. „Bei einem engen Spiel wird uns das zum Verhängnis", sagt Wehlmann über Konterchancen, die in der zweiten Hälfte einige Male nicht oft genug zu Ende gespielt werden.

baumann mtv hcsDas Positive: Konterchancen entstehen nur, wenn man nach Fehlern des Gegners schnell umschaltet. Das Umschaltspiel gelingt den Wölfen an diesem Tag fabelhaft, einzig die Konsequenz im Abschluss fehlt. Vor dem Umschaltspiel ist es der starken Abwehr geschuldet, dass man den Gegner zu Fehlern zwingt und somit überhaupt ein Umschaltspiel auflegen kann. „Wir waren wieder bereit, den letzten Schritt in der Abwehr zu gehen", merkt Wehlmann an.

So kann man dem MTV vorwerfen, dass der Sieg nicht hoch genug ausfällt. Bei der Berücksichtigung der aktuellen Situation ist dies aber Gejammer auf sehr hohem Niveau und sollte besser ad acta gelegt werden. Denn in der 48. Minute erzielt Hawaleschka das 27:17, stellt damit erstmals einen zweistelligen Vorsprung her. Dies war dem MTV zuletzt im November 2018 beim Heimsieg gegen den MBSV Belzig gelungen. Auch damals wurde der zweistellige Vorsprung in dieser Spielphase erspielt. Wendland traf in der 47. Minute zum 22:12. Hawaleschka: „Es hat sich einfach nur geil angefühlt, mal wieder so ein Spiel hinzulegen."

In der Schlussphase sucht Kreisläufer Erik Klaus noch eine Herausforderung. Drei Mal wird er in den letzten zehn Minuten am Kreis eingesetzt, erzielt seine Tore fünf, sechs und sieben. Bemerkenswert: Es war das siebte Spiel in Folge, bei dem Klaus eine Wurfquote von 100% vorweist. Die Bilanz: 27 Würfe, 27 Tore. Für den letzten Fehlwurf blättert man bis zum 8. Dezember zurück.

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Als die Hallenuhr von 57:59 auf 58:00 umschlägt ist zwar der HCS im Angriff, dennoch bricht die Tribüne plötzlich in Jubel aus. Die Trommeln setzen ein, die Tribüne steigt dazu und ab geht die Fahrt. Plötzlich steht die Tribüne und der MTV feiert den lang ersehnten Sieg. Am 2. Februar gab es gegen Chemie Guben einen 30:29-Sieg. Es war der einzige Wölfe-Sieg in den vergangenen 124 Tagen. Wehlmann: „Ich freue mich unglaublich für die Mannschaft. Dieser Sieg war sehr sehr wichtig für uns, nach dem wir zuletzt wirklich eine schwierige Phase hatten." 

Die Wölfe gewinnen gegen den HC Spreewald II mit 33:23, überzeugen mit einer starken Mannschaftsleistung. Nebenbei gibt es noch einen sportlichen Feiergrund: Das Rudel hat nun 12 Punkte auf dem Konto, hat damit acht Zähler Vorsprung auf die HV Luckenwalde 09 (Platz 10 mit 4:30 Punkten). Der tabellarisch Vorletzte (Rot-Weiß Friedland steht wegen des Rückzugs zu Saisonbeginn als Letzter fest) hat nur noch drei Spiele, kann die Wölfe (Platz 7) nicht mehr einholen. Selbst mit einem sportlichen Worst-Case-Szenario hält der MTV die Klasse. Jetzt die Taschen zu packen und mit Sonnenbrille und Hawaii-Shorts in die Sommerpause zu gleiten, kommt den Wölfen aber gar nicht in den Sinn. Schließlich warten in den letzten vier Spielen noch viele illustre Partien wie zum Beispiel das Heimspiel gegen Luckenwalde. Nächste Aufgabe ist aber erst einmal das Auswärtsspiel beim MBSV Belzig am 6. April.

Wünsdorfer Wölfe - HC Spreewald II 33:23 (18:10)

MTV Wünsdorf 1910: Andreas, Hirsing - Hawaleschka 8, Klaus 7, Baumann 6, Wendland 4, D. Becker 2, N. Seegebrecht 2 (2/2), Neuendorf 2 (1/2), Altin 1, Philipp 1, J. Rackwitz
HC Spreewald II: Gruna - Dommaschk 8, Burisch 6, Jecke 3 (2/2), Muschick 2, Burisch 2, Roscheck
Schiedsrichter: Eugen Hofmann / Matthias Leintz (SSV Falkensee) - leiteten eine faire Partie ohne große Aufreger seriös von Anfang bis Ende

Gelbe Karten: J. Rackwitz, Klaus - Dommaschk, Burisch, Piehl
Zeitstrafen: 5:8 (J. Rackwitz, Altin, Klaus, Wendland, Baumann - 3x Orbanz, 2x Dommaschk, Burisch, Piehl, Jecke)
Rote Karten: Bert Orbanz (HC Spreewald II/46. wegen dritter Zeitstrafe)
Blaue Karten: -

Siebenmeter: 3/4 (75%) - 2/2 (100%)
Wurfquote: 33/53 (62,26%) - 23/45 (51,11%)

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