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Wölfe zahnlos in Dahlewitz

Ohne Leidenschaft kein Derbysieg 

mtv boden

Die Wünsdorfer Wölfe haben mal wieder das Derby bei Blau-Weiß Dahlewitz verloren. Die Wölfe kassierten mit dem 22:25 die fünfte Pleite in sechs Spielen. Der MTV muss sich dabei die Niederlage vor allem selbst auf die Karte schreiben, denn diese gehörte zu der Kategorie „unnötig“. Den Grund, warum das Spiel aus der Hand gegeben wurde, muss dabei wohl im eigenen Bau gesucht werden. Mehr...

von Conrad Hipp
Fotos: Julia Ehmig

Fast genau ein Jahr zuvor, am 18. Februar 2018, erlebten die Wölfe trotz hoher Erwartungen eine böse Überraschung beim Derby in Dahlewitz. MTV-Schreck Bert Bräuer klinkte dem MTV beim 29:20-Erfolg 10 Tore ein, die Wölfe lieferten ein „grottiges Spiel“ (Zitat Sven Neuendorf) ab. Nun, 364 Tage später, sollte ein besserer Auftritt her. Bräuer, der damals extra für dieses Spiel nochmal aufs Feld zurückkehrte, stand diesmal als Zuschauer an der Seitenlinie. Die Wölfe, die nach einem starken Heimspiel gegen Chemie Guben unterstreichen wollten, dass sie wieder in der Spur sind, hatten sich zuvor auf Einladung von Co-Trainer Elmar Koltz-Urbaniak beim gemeinsamen Mannschaftsessen eingeschworen. Nun musste das nur noch auf die Platte gebracht werden. Personell musste der MTV weiterhin auf den gesperrten Trainer Matthias Wehlmann verzichten, dafür stand Routinier Dirk Becker erstmals nach seiner Kreuzbandverletzung wieder im Kader.

auszeitDen besseren Start erwischen die Hausherren. Marc Beier und Matthias Lenk bringen Blau-Weiß mit 2:0 in Führung. Sofort ist die Stimmung auf dem Level wie im Vorjahr. Aber auch die Wünsdorfer Fans halten mit und haben von Beginn an Bock auf ein heißes Derby. Bei den Wölfen dauert es einen Moment, bis sie ins Spiel finden. Dennoch gelingt in der 7. Minute der Ausgleich durch Neuendorf (3:3). Die Stimmung bleibt heiß, beide Mannschaften schenken sich keinen Zentimeter. Während die Abwehr des MTV gute Ansätze zeigt und den Hausherren das Leben schwer macht, beißen sich die Wölfe offensiv etwas die Zähne auf. Die Dahlewitzer Abwehr rückt gut mit, macht dem MTV so das Leben ziemlich schwer. Bis zum 7:6 von Daniel Werner bleibt es ausgeglichen. Dann zieht der MTV an. 7:7 durch Neuendorf (15.), 7:8 Tim Wendland (17.), 7:9 Egor Vikrhov (19.), 7:10 Lars Baumann (20.) – Auszeit Dahlewitz. Mit dem 4:0-Lauf gehen die Wölfe erstmals in dieser Partie in Führung. Die starke Phase besonders unterstützt von der Defensive, die nun wenig zulässt. Dazu Carlo Hirsing im Tor, der mit einigen guten Paraden Würfe entschärft. Die Hoffnungen der Wölfe-Fans auf eine Revanche zum Vorjahr wächst, doch bevor der Keim zur Blüte wird, entziehen die Wölfe ihm den Sauerstoff.

Denn nach fünf intensiven und leidenschaftlichen Minuten ist bei den Wölfen der Ofen aus. Es dauert fünf Minuten, bis Dahlewitz den 7:10-Rückstand zu einem 12:10-Vorsprung ausgebaut hat. Die Wölfe sind plötzlich defensiv löchrig und finden offensiv kaum noch Zugang zum Spiel. Beste Konterchancen versemmeln die Wölfe, weil sie beim Abschluss einfach nicht bei der Sache sind. Dahlewitz spielt nicht überragend, aber da die Wölfe nur mit maximal 80% bei der Sache sind, reicht es eben zu einem 13:13 zur Pause.

Halbzeitstand: Blau-Weiß Dahlewitz – Wünsdorfer Wölfe 13:13

In Hälfte zwei zeichnet sich ganz schnell ein großer Unterschied zwischen beiden Teams ab. Während Dahlewitz hungrig wie bissiges Rudel aus der Kabine kommt, zeigen die Wölfe mit einer Spannung wie beim Kaffeekränzchen. Die Quitting sind zwei schnelle Gegentore und ein Rückstand, dem die Wölfe nun hinterherlaufen. Und die Körpersprache lässt den Keim Hoffnung der Fans langsam ersticken, denn selbst Überzahlsituationen entschärfen sich die Wölfe selbst. Beim Spielaufbau landet der Pass auf Spielmacher Nils Seegebrecht im Aus, weil trotz fehlenden Drucks der Abwehr ohne jegliche Konzentration und Entschlossenheit gespielt wird. Und die Darbietung der Wölfe wird nicht besser. Nach einem Ballgewinn umdribbeln sich die Wölfe selbst, vertendeln den Ball und statt auf 20:19 zu verkürzen, kassieren sie in der selben Sekunde das 21:18.

seegebrecht gegen abwehrDie Wölfe spielen unentschlossen und lassen in der zweiten Hälfte jegliche Leidenschft und jeden Biss vermissen. Stattdessen bekommen sie Derbylaune und Mentalität vom Gegner vorgelebt. Dahlewitz steigert sich emotional ins Spiel, die Wölfe stehen indes völlig neben sich und machen während der gesamten zweiten Hälfte kaum den Eindruck, als könnten sie dieses Spiel noch gewinnen. Zwar ist der Spielstand nie so deutlich wie im Vorjahr, aber allein die Körpersprache und die Einstellung, die das Rudel auf der Platte zeigt, sind weit von einer Siegermentalität entfernt. 

So feiert, wie im Vorjahr, Blau-Weiß den Derbysieg. Dahlewitz siegt nicht, weil sie spielerisch übrragt haben, sondern weil sie schlichtweg mehr Lust auf diesen Sieg hatten und mit 110% Mentalität eben gegen 80%-Wölfe siegen. Das Rudel muss sich indes nach diesem Spiel hinterfragen, wo es mit dem Kopf war. Einen Derbysieg holt man mit dieser Einstellung zumindest nicht. Am kommenden Samstag kommt die sportlich bisher ungeschlagene TSG Lübbenau II ins Wolfsrevier (Anpfiff 18.30 Uhr).

Blau-Weiß Dahlewitz – Wünsdorfer Wölfe 25:22 (13:13)

Blau-Weiß Dahlewitz: Bombich, Telker – Beier 7 (4/4), D. Werner 3, Lenk 3, Stehlin 3, Roth 2, Natusch 2, Teising 1, Friedrich 1, Moritz, Pfeiffer, Kost
Wünsdorfer Wölfe: Barsch, Hirsing – Neuendorf 5 (2/3), Klaus 4, Gröpler 4 (2/2), N. Seegebrecht 3 (1/3), Baumann 2, Vikhrov 2, Wendland 2, D. Becker, J. Rackwitz, Hawaleschka, Ulbrich, Philipp
Schiedsrichter: Thomas Range / Karsten Sprenger – Leiteten insgesamt seriös das Spiel und sorgten kaum für Aufreger, die das Spiel beeinflussten

Gelbe Karten: Friedrich, Pfeiffer, Roth – J. Rackwitz, Klaus, Hawaleschka
Zeitstrafen: 8:7 (2x Friedrich, Lenk, Moritz, Werner, Döhler, Roth Teising – 2x Baumann, Philipp, J. Rackwitz, Hawaleschka, Neuendorf, D. Becker)
Rote Karten: Thomas Döhler (Blau-Weiß Dahlewitz / 30. wegen harten Einsteigens in der Abwehr)
Blaue Karten: –

Siebenmeter: 4/4 (100%) – 5/8 (62,5%)
Wurfquote: 25/54 (46,29%) – 22/44 (50%)