Saisonspiele 2023/24

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 Jetzt kann es richtig eng werden

Wölfe zeigen zu wenig im Vier-Punkte-Spiel
mtv tsg

Die Wünsdorfer Wölfe haben ihr vorletztes Heimspiel der Saison verloren. Gegen die TSG Lübbenau unterlag der MTV mit 21:30 und überließ damit einem direkten Konkurrenten zwei wichtige Zähler. Jetzt könnte es für den MTV im Kampf um den Klassenerhalt nochmal richtig eng werden.

von Conrad Hipp 

Für die Wölfe stand gegen die TSG Lübbenau ein Vier-Punkte-Spiel auf dem Spielplan. Drei Spieltage vor dem Ende könnte mit einem Sieg gegen die TSG nicht nur die schwache Leistung aus dem Hinspiel egalisiert werden, sondern der möglicherweise bereits entscheidende Schritt Richtung Klassenerhalt gemacht werden. Soweit die Theorie. Der Gegner aus dem Spreewald kam mit einem starken Kader und dem Ziel, den Klassenerhalt zu verhindern, denn an der ersten Mannschaft hängt das Schicksal des gesamten Lübbenauer Männerhandballs. Würde Lübbenau in die Verbandsliga Süd absteigen, würde dies auch den automatischen Abstieg der zweiten Mannschaft aus der Verbandsliga in die Landesliga bedeuten. Das wiederum würde bedeuten, dass die dritte Mannschaft nicht aus der Kreisliga in die Verbandsliga aufsteigen könnte. Dort ist die TSG Meister geworden. Die dritte Männermannschaft nutzte demnach die Rücktour ihrer Meisterfeier für den Stop in Wünsdorf – unterstützte dort ihre erste Mannschaft.

Gleich zu Beginn wird klar, wie viel Druck hier auf dem Kessel ist. Die TSG will nichts überstürzen, konzentriert in den Rhythmus kommen. Der Ball wandert durch die Reihen, Ballgefühl für alle. So dauert der erste Ballbesitzwechsel fast zwei Minuten. Erst als die TSG den dritten Fehlwurf produziert, sind endlich die Wölfe dran. Es dauert stolze viereinhalb Minuten, bis Giorgi Dikhaminjia den ersten Treffer des Spiels erzielt. Bei den Fehlwürfen führt die TSG zu diesem Zeitpunkt bereits 4:2. Mit dem Spielgerät wollen beide Seiten anfangs nicht richtig warm werden. Eine extrem hohe Fehlwurfquote. Die Wölfe reißen die Mitte schön auf, sind dann frei durch, scheitern aber am Innenpfosten. Nach acht Minuten hat der MTV so einen Treffer aus fünf Versuchen zu verbuchen. Eine Quote von 20% erinnert schwer ans Hinspiel, in dem die Wölfe extrem blass auftraten und in der ersten Hälfte zwischenzeitlich eine ähnlich schwache Trefferquote aufwiesen.

Im Angriff fehlt dem MTV komplett der Zugriff. Die TSG-Abwehr steht sehr stark, rückt gut zusammen und schnürt die Offensive förmlich ein. Die Passwege auf die Außenpositionen sind quasi nicht vorhanden, die Lücken auf den Halbpositionen können nur selten aufgerissen werden. So bleibt nur der Wurf aus der weiten Distanz über die Abwehr. Die TSG hingegen stabilisiert sich nach anfänglichen Problemen zumindest etwas in Sachen Trefferquote. Nach zehn Minuten führen die Gäste mit 3:1. Nach den anfänglichen Fehlversuchen trifft die TSG fünf von sechs Versuchen – baut den Vorsprung so konsequent aus. Nach 15 Minuten steht ein 2:8 auf der Anzeigetafel. Für seine zwei Tore hat der MTV satte zehn Versuche gebraucht – die Quote bleibt bei 20 Prozent und damit erschreckend niedrig.

Als Lukas Huskobla kurz darauf sogar auf 2:9 stellt hilft den Wölfen nur noch ein Mann mehr auf dem Feld. Trainer Ferenc Remes zieht die Option des zusätzlichen Feldspielers. Mit Dirk Becker, Paul Gröpler und Julien Halkow wechselt der Coach gleich auf drei Positionen in der Offensive – nimmt dafür den Torhüter und zwei weitere Feldspieler raus. Dazu kommen die ersten Zeitstrafen für die Gäste, die damit auch mit Keeper hinten drin eine Überzahl erlauben. Die Zeitstrafen waren in der Anfangsviertelstunde ebenfalls ein Faktor, da Wünsdorf in den ersten 15 Minuten drei davon kassierte, kurzzeitig nur zu viert auf dem Feld war.

Der MTV verkürzt mit einem 4:0-Lauf auf 6:9. Kommt jetzt die Wende? Nein! Weil die Wölfe dann wieder auf das Spiel über die Mitte zusammengepresst werden. Jakub Pawlicki verpasst nach einem Doppelpack den dritten Treffer in Folge. TSG-Keeper Kacpar Pyrka verlässt das Tor, will dem Ball nachgehen, aber Wünsdorfs Lukas Seifert ist früher dran. Er dreht sich um den Keeper rum, wirft aus spitzem Winkel Richtung Tor und zieht vorbei. Für den Rückraumschützen ist es damit bereits der vierte Fehlwurf bei null Treffern – ein gebrauchter Tag. Stattdessen hat Lübbenau in der Offensive mittlerweile gar keinen Druck mehr, kann das Spiel ganz beruhigt von vorne angehen. Und bei den Wölfen läufts weiterhin nicht. Nach einem Ballverlust passiert der Wechsel mit dem Torwart viel zu langsam. Lübbenau kann mit ein paar Querpässen und einem Dribbling beruhigt nach vorn spielen. Johannes Klauke setzt aus 13 Metern zu einem halben Heber an, um die zwei mitlaufenden Verteidiger noch zu überwinden und den Ball ins leere Tor kugeln zu lassen – 6:11 (22.).

Nächste Hiobsbotschaft für die Wölfe. In einem keineswegs unfairen Zweikampf bekommt Pawlicki einen Treffer im Gesicht ab. Keine Absicht, aber trotzdem wirksam. Das Schiedsrichtergespann um Fabien Grünagel und Alexander Knoche unterbricht das Spiel sofort, der Rückraumspieler bewegt sich benommen Richtung Bank. Als er am Mittelkreis von Physiotherapeutin Sarah Reinecke abgefangen wird, setzt sie ihn erst einmal auf den Boden, um ihn zu stabilisieren und bei Bewusstsein zu halten. Für Teile der bereits angeglühten Kreisliga-Meistermannschaft auf der Tribüne zu viel. Ein Pfeifkonzert geht los und lautstark wird das Unverständnis geäußert, dass der Spieler ja auch erst hätte das Feld verlassen können, damit man weitermachen kann. Die Reaktion wenig meisterwürdig und mehr als unnötig.

Dann trifft Wünsdorf – Seifert lässt endlich den Knoten platzen und macht in seinem sechsten Versuch sein erstes Tor. Sinnbildlich für die Wölfe-Quote an diesem Tag. Zur Pause steht es 8:13 für die Gäste. Beim MTV funktioniert in der ersten Halbzeit nur die Abwehr gut. In der Offensive liefert das Rudel mit nur 36,4 Prozent Trefferquote keine gute Leistung ab. Mit etwas Galgenhumor erkennt man die Besserung zum Hinspiel. Dort hatte der MTV in der ersten Hälfte nur eine Quote von 29,2 Prozent. Remes: „Mit dem Kader, mit dem Lübbenau hier angetreten ist, war eine Niederlage im Bereich des Möglichen. Eine starke Mannschaft.“ Dennoch fügt der Trainer hinzu: „Unser Auftreten war nicht gut.“

Halbzeitstand: Wünsdorfer Wölfe – TSG Lübbenau 8:13

Die TSG konnte mit einem ruhigen Gefühl in die Pause gehen. Das Offensivspiel der Wölfe hatte man gut im Griff und der MTV wirkte in den ersten 30 Minuten nicht so, als hätte er ein Mittel dagegen. Kriegt das Rudel in den zweiten 30 Minuten noch die Kurve? Erst einmal nicht. Das Offensivspiel der Wölfe ist weiterhin zu nervös und unstrukturiert. Als in die gewohnten Bewegungsabläufe etwas Druck kommt, wird es hektisch. Ein blinder Pass in die Mitte, der Ball wird abgefangen und Petar Jakic trifft per Konter zum 10:18 (37.).

Die Wölfe finden weiterhin kein Mittel, um hier irgendwie Zugriff zum Spiel zu bekommen. Es bedarf immer ein Mann mehr, um mit viel Aufwand zur Torversuchen zu kommen. In Überzahl kriegt der MTV Abschlüsse hin, kann nach dem 11:19 sogar nochmal auf 16:20 verkürzen (44.). Doch wie in der ersten Hälfte war dies nur ein kurzes Aufbäumen. Danach übernimmt Lübbenau wieder die Spielkontrolle. Von den Wölfen kommt an diesem Tag schlichtweg zu wenig.

Lübbenau bringt seine PS auf die Straße und zeigt, dass man von der Qualität her keineswegs in den Tabellenkeller gehört. Die Wölfe hingegen verstecken ihre PS, kriegen keinen Fuß aufs Gas und bleiben somit auf der Strecke. Immerhin: Mit rund 54 Prozent Trefferquote in den zweiten 30 Minuten zeigen die Wölfe eine deutliche Steigerung. Hinsichtlich der schwachen ersten Hälfte aber immer noch zuwenig. Zumal die Gäste auch in der zweiten Hälfte mehr Wurfchancen kreieren und sich somit weiter absetzen können. 

So müssen die Wölfe die Entscheidung über den Klassenerhalt vertagen. Nach der Sirene bleibt ein 21:30 und die pure Enttäuschung. Remes fasst zusammen: „Mit der kämpferischen Leistung der Mannschaft kann man nicht zufrieden sein. Das ist keine schöne Situation, in der wir uns befinden.“ Die Wölfe bleiben zwar trotz der Pleite auf Platz 7, der Vorsprung auf die Verfolger wird aber verschwindend gering. Bis zu vier Absteiger sind in der Brandenburgliga realistisch. Remes: „Jetzt haben wir den Showdown, den wir nicht wollten. Wir werden jetzt die Wunden lecken und weiter Gas geben. Wir haben schon den ein oder anderen Turnaround in dieser Saison geschafft und werden nun den nächsten versuchen.“ Am 30. April reist der MTV zum Oranienburger HC II. Am 13. Mai geht's dann im Heimspiel gegen Bad Freienwalde gegen den nächsten direkten Konkurrenten. Möglicherweise ein echtes Endspiel. Remes: „Wir dürfen nicht vergessen: Wir haben immer noch mehr Punkte als die anderen. Alle Teams stehen extrem unter Druck.“ 

 Wünsdorfer Wölfe – TSG Lübbenau 21:30 (8:13)

Wünsdorfer Wölfe: Paeschke, Volz – Pawlicki 7 (4/4), Halkow 3, Seifert 3, P. Engel 2, D. Becker 2, Gröpler 1, Hawaleschka 1, Luchmann 1, Strube 1, Vikhrov, Neldner, Klaus
TSG Lübbenau: Pyrka, I. Dikhaminija – Klauke 7, Pipiale 7 (4/4), Schultz 5, G. Dikhaminija 5, Werban 2, Jakic 2, Csipszer 1, Huskobla 1, Drannaschk, Helbich, Balzer
Schiedsrichter: Fabien Grünagel / Alexander Knoche

Gelbe Karten: Pawlicki – Drannaschk
Zeitstrafen: 8:10 (2x Pawlicki, 2x Klaus, 2x Luchmann, Gröpler, Vikhrov – 2x Werban, 2x Jakic, Klauke, Schultz, Csipszer, Helbich, G. Dikhaminija, Pipiale)
Rote Karten: 

Wurfquote: 21/46 (45,6%) – 30/50 (60%)
Siebenmeter: 4/4 (100%) – 4/4 (100%)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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