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Sieglos-Serie beendet

Wölfe erspielen sich Erfolgserlebnis hawa racke hcs mtv

Die Wünsdorfer Wölfe haben ihre lange Sieglos-Serie beendet und nach 120 Tagen endlich wieder einen Sieg eingefahren. Dieser beruhigt nicht nur die tabellarische Situation der Wölfe, sondern verbessert auch die Ausgangslage vor dem Stadtderby gegen die SG Schöneiche in der kommenden Woche. Mehr...

von Conrad Hipp
Fotos: Julia Ehmig

Für den letzten Sieg der Wölfe musste man schon etwas weiter zurückblicken. Es war der 2. November 2019, das Datum, an dem die Wölfe zuletzt einen Sieg in einem Spiel der Verbandsliga Süd feierten. Der Gegner damals in heimischer Halle: HC Spreewald II. Die Wölfe siegten 34:24, zeigten dabei eine geschlossen extrem starke Mannschaftsleistung und hatten im Tableau am Ende sechs Spieler zu stehen, die fünf oder mehr Tore erzielten. Der Blick in die Vergangenheit hilft aber nichts, wenn dieser bereits 120 Tage weit gehen muss, um den letzten Sieg noch einmal zu verdeutlichen.

Denn: Nach der 28:32-Pleite gegen den MBSV Belzig war die tabellarische Situation für den MTV brenzlig. Mit einem Sieg würde sich das Team auf fünf Punkte vom Tabellenende entfernen und die Gesamtsituation erheblich entspannen. Bei einer etwaigen Niederlage aber wäre das Tabellenende nur einen Punkt entfernt. Und auf dem Spielplan stehen noch das Auswärtsspiel in Luckenwalde (aktuell 6:24 Punkte auf Platz 10). Der HC Spreewald hätte indes noch vier der restlichen sechs Saisonspiele daheim. Trainer Matthias Wehlmann beruhigt auf Nachfrage: „Wie die Tabelle aussehen würde, wenn wir dieses Spiel verlieren, spielt in meinem Kopf keine Rolle. Bei den Spielern übrigens auch nicht.“

haha tbecker hcs mtvDenn das Spiel beginnt bei 0:0, die Uhr steht auf 0:00. Als das Phrasenschwein an dieser Stelle gefüttert ist, gibt der MTV seinem Torekonto Nahrung. Sven Neuendorf trifft nach 130 Sekunden zum 1:0 für die Wölfe. 40 Sekunden später erzielt Tobias Lubig den Ausgleich – es ist der 395. Ausgleichstreffer dieser Verbandsliga-Saison und, um es vorwegzunehmen, der letzte in diesem Spiel. Denn mit dem 1:2 durch Max Hawaleschka drücken sich die Wölfe wieder nach vorn – und direkt Richtung Sieg. Neuendorf und Tim Becker stellen auf 1:4. „Die Einstellung der Mannschaft hat absolut gestimmt. Sie hat auch in den vergangenen Wochen gestimmt, nur heute haben wir uns endlich einmal belohnt.“ 

Die Belohnung holen sich die Wölfe aus dem eigenen Spiel. Ohne Verunsicherung ob der Tabellensituation oder langen Sieglos-Serie spielt der MTV sein Konzept, überzeugt von seinen Stärken. „Die Mannschaft hat gut zusammen gearbeitet“, so Wehlmann. Spielmacher Nils Seegebrecht bedient Paul Gröpler, der sich an den Kreis schlecht – Drehung, Torwurf, 7:10 (21.). Die Wölfe übernahmen früh im Spiel die Oberhand und verteidigen diese nun. Nils Barsch hält im Tor der Wölfe, spielt den langen Ball auf Nachwuchs-Spieler Patrick Benz. Der locht locker ein zum 9:13 – es ist das 200. Saisontor, welches der MTV in dieser Saison erzielt. Der MTV ist erst die fünfte Mannschaft in dieser Saison, der das gelingt. 

Halbzeitstand: HC Spreewald II – Wünsdorfer Wölfe 11:14

In der zweiten Halbzeit kommen die Hausherren angestachelt aus der Kabine. In den ersten 60 Sekunden klingelt es gleich zwei Mal in der Kiste der Wölfe – plötzlich steht es 13:14 und der Gegner hat die breite Brust. Was in den vergangenen Spielen immer wieder zum Knackpunkt wurde, löst der MTV in dieser Situation aber sehr seriös. Spiele, die auf der Kippe stehen, werden mit Überzeugung weitergespielt. Das Rudel lässt sich nicht in die Karten gucken, sich trotz einiger technischer Fehler zu Beginn der zweiten Halbzeit nicht verunsichern. Wichtig: Nach dem Anschlusstreffer kann MTV-Torwart Nils Barsch die nächsten beiden HCS-Angriffe mit dem Fuß aus dem Rennen drücken, dann schiebt Neuendorf die Wölfe wieder zu einem Vorsprung von zwei Toren. 

Danach gibt es Aufregung auf der Platte. Dirk Becker bekommt eine Zeitstrafe. Sein Gegenspieler schaltet sich in die Diskussion ein, erklärt, dass die Zeitstrafe völlig unberechtigt ist und verrät noch im Spiel, wie die Szene wirklich war. Bitter für die Wölfe: Die situationsweise überforderten Schiedsrichter Luise Ganske und Madlen Tornow lassen trotz des sehr fairen Einwands des Spreewald-Spielers keine Beanstandung ihrer Entscheidung zu. Schade, dass eine menschliche, aber offensichtlich falsche Wahrnehmung nicht einfach sportlich begradigt werden kann. Kopfschütteln auf der Platte, Becker muss runter. Die Wölfe entscheiden sich in dieser Phase dennoch für den einzig richtigen Weg: Schiedsrichterentscheidungen zu akzeptieren und das eigene Spiel davon nicht beeinflusbar zu machen. Schiedsrichterentscheidungen gehören nicht zum beeinflussbaren Bereich von Trainer und Spielern - und die Wölfe konzentrieren sich in diesem Spiel nur auf das, was sie selbst in der Hand haben. 

racke hcs mtvSo geht die Unterzahl vorüber ohne, dass die Wölfe ihren Vorsprung eindämmen müssen, denn die Abwehrreihen funktionieren auch mit einem Mann weniger. Wehlmann: „In der Abwehr haben wir sehr gut angefasst und so auch einige technische Fehler des Gegners provoziert.“ Oder eben die eigenen Stärken gefordert. Barsch hält im Tor der Wölfe zwei Siebenmeter binnen zwei Minuten, die Wölfe pieksen sich in die Köpfe der Gegner, denn Spreewald lässt so eine Chance zum Anschlusstreffer und eine weitere, die sogar zum Ausgleich geführt hätte, liegen. Und das zu einem psychologisch wichtigem Zeitpunkt, 18 Minuten vor dem Ende.

Durch die richtige Fokussierung gelingen dem MTV eben Momente, die in den vergangenen Wochen nicht gelungen sind. In kritischen Phasen fällt nicht der Ausgleich, sondern aus einer 18:17-Führung machen die Wölfe mit Selbstvertrauen und Konzentration die Tore zum 19:17 und 20:17. Statistik-Fans notieren dabei noch den 700. Verbandsliga-Siebenmeter der laufenden Saison. Den 701. Siebenmeter tritt dann Wünsdorfs Neuendorf an – es ist der 100. MTV-Siebenmeter der laufenden Saison. Neuendorf lobt: „Viele Siebenmeter holen wir über unser Spiel am Kreis heraus. Diese Statistik zeigt, dass unsere Spielweise nicht die falsche ist.“ In der Statistik der herausgeholten Siebenmeter liegt der MTV somit weiterhin unangefochten auf Platz 1 der Liga. Die Wölfe sammeln 17,3 Prozent ihrer Tore über Siebenmeter ein – ebenfalls mit Abstand Top-Wert in der Liga. 

Vier Tore beträgt der Vorsprung zwischen den Wölfen und den Gastgebern. Diesen kann der HC Spreewald auch in den nachfolgenden Minuten nicht egalisieren. Als der HC das 21:24 erzielt, muss Tim Becker für zwei Minuten das Feld verlassen. Die letzte Chance für eine Aufholjagd verpufft aber direkt. Während der Zeitstrafe passiert auf dem Feld nichts, so dass Tim Becker seine starke Leistung mit seinen Toren zum 21:25 und 21:26 nochmals unterstreicht. Der Vi Tva Man of the Match aus der Vorwoche kann diesmal endlich auch mal grinsen nach einem Spiel, markiert mit einer Trefferquote von 77,7% einen überragenden Wert und trägt so selbst sieben Tore zum Sieg bei.

So gewinnen die Wölfe am Ende mit 26:21 und beenden die Sieglos-Strecke von 120 Tagen! Wehlmann: „Die Mannschaft hat sich heute sehr gut auf ihre Stärken fokussiert und sich wenig beeindrucken lassen. In der Abwehr wurde sehr gut zusammen gearbeitet und wenn wir so spielen wir heute, können wir auch in der kommenden Woche erfolgreich sein.“ Dann empfangen die Wölfe die SG Schöneiche im Derby unter Tabellennachbarn.

 HC Spreewald II – Wünsdorfer Wölfe 21:26 (11:14)

HC Spreewald II: Tondera – Lubig 5, Jecke 4 (4/6), Burisch 3 (1/1), Kranick 2, Bleicher 2, Piehl 2, Schmidt 1, S. Gruna 1, Manig 1, Roscheck, Dümke
Wünsdorfer Wölfe:
 Barsch, Hirsing – Neuendorf 8 (2/3), T. Becker 7, Hawaleschka 2, N. Seegebrecht 2 (1/2), Benz 2, Gröpler 2, Vikhrov 1, J. Rackwitz 1, Baumann 1, D. Becker, Luchmann, 
Schiedsrichter: Luise Ganske / Madlen Tornow

Gelbe Karten: Kranick, Burisch, Bleicher, Hesse (Trainer) – Gröpler, T. Becker
Zeitstrafen: 6:9 (Dümke, Piehl, S. Gruna, Kranick, Jecke, Lubig – 2x Neuendorf, 2x D. Becker, 2x T. Becker, Benz, J. Rackwitz, Baumann)
Rote Karten: –
Blaue Karten: –

Siebenmeter: 5/7 (71,4%) – 3/5 (60%)
Wurfquote: 21/46 (45,6%) – 26/44 (59,1%)