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Saisonbilanz der MTV-Frauen

Aus aufgekratzter Stimmung wird Euphorie

teamfrauen

Die MTV-Frauen schwankten in der Spielzeit 2018/2019 zwischen Himmel und Hölle. Nach einem schwachen Saisonstart stellte sich das Team den Aufgaben und spielte sich so sogar in die Position, am letzten Spieltag noch die Chance auf die Vizemeisterschaft zu holen. Eine Saison mit Höhepunkten, Tiefschlägen und jeder Menge Emotionen. Mehr...

Als die Trainer Kilian Kerbs und Sven Neuendorf gemeinsam die Saison analysieren, durchleben sie die Emotionen der vergangenen Spielzeit noch einmal mit. Es war eine Achterbahnfahrt, die ein glückliches Ende hatte. „Ich habe im Sommer 2018 nicht gedacht, dass die Saison dann so laufen wird“, bringt es Kerbs auf den Punkt. Mit ihm als Cheftrainer ging die Mannschaft in die Vorbereitung und hatte dabei einige Ausfälle zu kompensieren. Vor dem Start machte sich dennoch Optimismus breit, lief doch der Start in der Vorsaison mit vier Siegen in vier Spielen mehr als gut. Doch in dieser Saison rannte der MTV vom ersten Moment an hinterher. Zwei Pleiten, ein Unentschieden. Statt Platz 1 im Vorjahr tragen die Frauen plötzlich die Rote Laterne. Eine Situation, die den MTV früh vor eine große Herausforderung stellt.

„Vergleiche zu den beiden Saisonstarts habe ich gemieden. Die Voraussetzungen waren ja völlig andere. Der Kader war durch Ausfälle etwas ausgedünnt, wir hatten die Vorbereitung nicht mit dem kompletten Team. Und natürlich darf man nicht erwarten, dass man so immer startet“, so Kerbs. Doch mit so einem Kaltstart hat wohl auch niemand gerechnet. Die Stimmung war früh in der Saison aufgekratzt. Statt oben mitzuspielen, rennen die Frauen hinterher. „Die Mädels haben da natürlich auf die Tabelle geschaut. Natürlich hat man den Start aus dem Vorjahr da noch im Hinterkopf und wird dann schnell unzufrieden. Man hat als Trainer deutlich gemerkt, dass schlechte Laune da war. Diese Stimmung hat auch an mir selbst sehr genagt“, so der Trainer, der eine harte Aufgabe vor sich hatte. Das Problem macht er auch schnell aus: „Wenn man die Saison mit der zuvor gegenüberstellt, hatten wir ja die Situation, dass wir eine günstige Spielauslegung hatten. Zum einen, weil wir Gegner hatten, die uns besser lagen und viel wichtiger aber, weil wir in einem Wochen-Rhythmus gespielt haben, der es uns erleichtert hat, gut in die Saison zu kommen. Da konnte man schnell Selbstvertrauen tanken und wurde dann von einer Welle getragen. Das hatten er Spielzeit 18/19 dann im kompletten Gegenteil. Wenn man da auf den Spielplan schaut. Wir hatten zwei richtig harte Gegner mit Teltow und Potsdam II und hatten viele Pausen im Kalender.“

alessa potsdamDennoch stellte sich die junge Mannschaft der Herausforderung. Auch das Fehlen erfahrener Spielerinnen sollte nicht als Ausrede gelten. Kerbs: „Es war sehr schön zu sehen, wie die jungen Spielerinnen dann auch Verantwortung übernommen haben.“ Den Lohn gibt's im dritten Spiel, wenn es auch kein Sieg ist. Gegen Werder gibt's ein 20:20, der erste Punkt. „Der war unglaublich wichtig“, betont Kerbs. Danach ging nämlich prompt ein Ruck durchs Team. Siege gegen Trebbin und Brandenburg bringen neues Selbstvertrauen. Der MTV klettert in der Tabelle und gewinnt Sicherheit. Vor dem Derby gegen Blau-Weiß Dahlewitz kann das Team drei Siege in Serie aufweisen. So steht das Derby an der richtigen Stelle im Kalender. „Das Spiel war für mich das absolute Highlight“, grinst Kerbs.

Denn die Mannschaft ist nun nicht nur in guter Form, sondern bekommt auch noch Verstärkung. Sven Neuendorf rückt als Co-Trainer zum Team. „Diesen Schritt bin ich gegangen, um einfach noch mehr Input zu bekommen“, erklärt Kerbs. Neuendorf erzählt vom Gespräch: „Kilian kam auf mich zu und hat mich gefragt, ob ich mir eine Zusammenarbeit vorstellen könnte. Ich hab ja auch schon einige Stationen in meinem Leben erlebt und war mir ziemlich sicher, dass durch unseren guten Austausch wir im selben Boot sitzen. Daher war mir relativ schnell klar, dass ich da das Team unterstützen will.“ Zwei Männer mit einiger Erfahrung treiben nun das Team an und erleben im ersten Spiel gleich einen Höhepunkt. Gegen Dahlewitz gibt es einen krachenden 24:19-Erfolg. Aber der Sieg ist nicht mal der Hauptgrund, der die Trainer zum Grinsen bringt. Kerbs: „Angefangen bei der Kulisse. Die Atmosphäre in der Halle war der Wahnsinn. Die Tribüne war voll, das Publikum hat uns nach vorne getrieben. Und so hat die Mannschaft eine starke Performance abgeliefert. Die Art und Weise des Sieges war großartig. Von der ersten Sekunde an hat die Mannschaft gezeigt, es ist unsere Arena und die Punkte bleiben hier. Das war schon beeindruckend.“

So geht's mit einer ordentlichen Portion Rückenwind und Selbstvertrauen in die Winterpause. Kerbs: „klar kann ich auch eine Tabelle lesen und wusste, dass da noch nicht alles vorbei ist. Da sitzt man in der Winterpause schon da und rechnet mal durch. Platz drei hätte ich nach dem dritten Spieltag sofort unterschrieben. Plötzlich war das aber wieder voll in Reichweite.“ Positiv: Auch die Stimmung schlug mittlerweile voll um. Gerade nach dem Derbysieg gehen die Frauen in eine Winterpause, die sie eigentlich gern verschoben hätten. Denn das Team ist im Rollen, gut gelaunt und heiß auf die nächsten Aufgaben. Aber in der Winterpause bleibt Zeit, die Arbeit mit dem neuen Co-Trainer zu vertiefen. Neuendorf erklärt die Neuerungen: „Wir sind vom Theoretischen beide elativ gleich. Vom mentalen, bei der psychologischen Anwendung sind wir manchmal unterschiedlich und das ist für manche Spielerinnen ungewohnt gewesen.“ Was er meint: Wo Kerbs über die Jahre als Trainer „betriebsblind“ wurde, setzte Neuendorf neue Grenzen und damit neue Reize. „Das hat die Mädels natürlich auch an ihre Grenzen gebracht und wir mussten beide sehr viel Fingerspitzengefühl entwickeln. Da mussten sich die Mädels und auch wir erst dran gewöhnen.

kk ansprache dahlewitz

Gewöhnen musste sich das Team auch an das neue Training. Die Qualität konnte deutlich gesteigert werden, denn: Es wurde kleingruppentaktisch agiert. Neuendorf kümmerte sich um die Außenspieler und Torhüter, Kerbs um den Rückraum und den Kreis. Neuendorf: „Die Teilung des Trainings hatte einen sehr guten Effekt. Die kleingruppentaktischen Trainings hatten einen sehr gute Auswirkung auf die Spielerinnen. Die Individualität der Mädels wurde nach kurzer Zeit nochmal besser.“ Doch zum Rückrundenauftakt gab es dann erst einmal einen Dämpfer. Mit der 20:30-Pleite gegen Teltow kriegen die Frauen einen ausgewischt. Danach gibt's aber keine Bedenken, in ein Loch zu fallen. Gegen Potsdam kommt die Trotzreaktion, ein 29:20-Heimsieg. Kerbs: „Dieser Saisonstart hat die Mannschaft auch stärker Gemacht. Das gehört ja auch zu der Entwicklung einer so jungen Mannschaft, mit so einer Situation umzugehen. Die Mannschaft ist an dieser Situation gewachsen.“ Das hat die Truppe geschafft.

ehmig dahlewitzDenn gegen Werder wartete das nächste Highlight. Erst wenige Sekunden vor Schluss gelingt dem MTV das Siegtor zum 21:20. Neuendorf: „Das war mein Highlight der Saison. Da hab ich mich selbst ziemlich rein gesteigert und das wir das dann am Ende gewonnen, das war einfach krass. Da hat man wirklich den Kampfgeist gesehen und nach Abpfiff haben die Spielerinnen es sich mit Tränen in den Armen lagen.“ Der Kaltstart war abgehakt, die MTV-Frauen waren zurück im Rennen um die Spitzenplätze. Doch die Euphorie aus dem Last-Minute-Sieg bekam schnell einen Rückschlag. Denn zwei Wochen später gab es gegen den SC Trebbin nur ein 21:21 im Heimspiel. Und genau dort machte Kerbs ein großes Problem im Team aus. „Die Frage, ob ich jedes Spiel wirklich so annehme, als wäre es das entscheidende. Da hätte ich gedacht, dass wir mental da schon weiter sind. Diese Fokussierung auf die Spiele war manchmal nicht bei 110%.“ So auch gegen Trebbin. Danach gab es klare Ansange im Training und siehe da, mit Erfolg. Kerbs: „Immer, wenn es mal nicht lief und es klare Ansagen gab, haben die Mädels eine Trotzreaktion gezeigt. Das heißt ja, sie wissen was sie falsch gemacht haben. Und dort hätte ich mir gewünscht, dass diese Situationen, in denen solche Trotzreaktionen notwendig sind, seltener vorkommen.“

Dennoch hatte man am letzten Spieltag die Vizemeisterschaft noch vor den Augen. Gegen Dahlewitz müsste nur ein Sieg her. Doch der Ausflug wurde zur großen Enttäuschung. Der MTV verliert mit 21:25, wird am Ende dennoch stark Dritter. Kerbs: „Wir hatten da spielerisch nicht den besten Tag, aber kein Mensch hat es verdient, nach dem Spiel für die Leistung seiner so beleidigt und bepöbelt zu werden.“ Die giftige Stimmung stößt nicht nur dem Trainer übel auf, sondern auch seinem Co. Neuendorf: „Ich habe mich schon gefragt, ob man sich als Heimmannschaft so verhalten muss, obwohl man sich schon so viele Jahre kennt. Das hat mich emotional auch etwas berührt.“ Doch trotz der Enttäuschung am letzten Spieltag ist man beim MTV zufrieden mit Platz 3. 

Neuendorf: „Die Mädels haben die Trainingsumstellung toll angenommen. Wir haben das insgesamt sehr gut gemeistert, weil das Team auch voll mitgezogen hat.“ Das soll in der kommenden Saison vertieft werden. „Die spielerische Entwicklung ging in den vergangenen Jahren stetig nach vorn, so auch in dieser Saison“, so Kerbs. Deswegen ging die Mannschaft auch mit viel Optimismus in die Vorbereitung auf die neue Saison. Die startet erst am 21. September, dennoch sind die Frauen jetzt schon wieder am arbeiten. Dort misst sich der MTV dann aber mit einigen neuen Gegnern. Dahlewitz nahm als Vizemeister das Aufstiegsrecht war, welches Teltow/Ruhlsdorf II nicht wahrnahm. Dazu wird Potsdam nur noch mit einer Mannschaft antreten. Dafür kommt Motor Babelsberg, Blau-Weiß Wusterwitz und Falkensee II. Erster MTV-Gegner ist der SC Trebbin, gegen den es ein Heimspiel gab, welches das Team nicht zufriedenstellte. In dieser Saison soll der Start wärmer werden, so dass keine Trotzreaktion nötig sein soll.