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Auswärts-Debakel im Schlaubetal

Wölfe verlieren mit kopfloser Vorstellung

mtv in schlaubetalDie Wünsdorfer Wölfe sind beim letzten Pflichtspiel des Jahres 2018 bei der HSG Schlaubetal untergegangen. Die angeschlagene Mannschaft scheiterte dabei nicht am überragenden Gegner, sondern vielmehr an der eigenen Performance. Der Auftritt der Wölfe begann zwar verlockend, war aber mit zunehmender Spielzeit immer weniger eine Herausforderung für den Gegner. So gehen die Wölfe mit einem 24:36 und damit der höchsten Niederlage seit März 2015 in die Vorweihnachtszeit. Mehr...

von Conrad Hipp

Mit zwei Niederlagen in Folge traten die Wölfe die Reise zur HSG Schlaubetal an. Die HSG begann die Saison ambitioniert und zählte zu den Aufstiegsaspiranten. Nach zwei deutlichen Pleiten gegen die TSG Lübbenau II und Grün-Weiß Finsterwalde mussten sich die Müllroser aber vorerst mit Platz 3 zufrieden geben. Auch im Vorjahr taten sich die HSG-Handballer in eigener Halle schwer mit dem MTV. Am Ende stand ein mehr als leistungsgerechtes 29:29 auf der Tafel. Nun aber reisten die Wölfe mit Personalnot und einer Menge rauem Wind im Gesicht an. Die zwei Niederlagen gegen die HV Luckenwalde 09 und zuhause gegen die OSG Fredersdorf-Vogelsdorf verschuldete man selbst. Trotz personellen Löchern war die Fehlerquote zu hoch und nicht der Gegner überragend.

klaus schlaubetal mtvNun also ausgerechnet im Schlaubetal alles besser machen. Mit nur drei Feldspielern auf der Bank begannen die Wölfe gut. Nach etwas mehr als zwei Minuten klinkt Lars Baumann den Ball in den Winkel. Das 1:0 für die Wölfe - es macht Lust auf mehr. Das kam nur wenige Sekunden später. Schneller Ballverlust der HSG, schnelles Umschalten und Max Hawaleschka trifft per Konter zum 0:2 (3.). Dann aber macht auch die HSG mit, schafft durch zwei Tore von David Krüger den Ausgleich. Aber die Wölfe sind im Spiel. Nach dem 3:3 fliegt der Ball schnell zum Anwurf. Trotz Gegentores können die Wölfe die zweite Welle laufen und gehen durch einen Granatenwurf von Baumann erneut in Führung (3:4/8.). Nach zehn Minuten aber schleichen sich beim MTV die ersten Fehler ein. Schlaubetal bleibt nach der stürmischen Anfangsphase ruhig, übernimmt danach das Kommando.

Nach der ersten Führung für die Gastgeber durch Eric Zimmermann, gelingt Paskal Korau nur kurz darauf sogar das 6:4. Plötzlich geht der erste Bruch durchs Wünsdorfer Spiel. Im Angriff findet kein Konzept mehr Anklang. Es wird zwar Druck aufs Tor aufgebaut, zwingende Chancen kommen allerdings nicht heraus, weil das Spiel der Wölfe einfach zu statisch ist. So braucht die HSG fürs erste nur etwas Geduld, um den Vorsprung Stück für Stück auszubauen. Der wächst bis zur Pause auf 15:11. 

Halbzeitstand: HSG Schlaubetal – Wünsdorfer Wölfe 15:11

Fotogalerie HSG Schlaubetal – Wünsdorfer Wölfe

Hälfte zwei bot von Beginn an wenig Highlights. Der Grund: Die Gastgeber führten zwar nur mit vier Treffern, aber die Wölfe ließen von Beginn an keine nötige Spannung aufkommen, das Spiel noch einmal knapp zu gestalten. Den Wecker in der bei heimischen Angriffen extrem ruhigen Schlaubetal-Halle ließ MTV-Keeper Carlo Hirsing klingeln. Nach einem MTV-Abspielfehler läuft Schlaubetal den freien Konter. Der Abschluss gelungen, aber Hirsing lässt den Ball mit einer krachenden Knie-Parade einmal quer durch die Halle fliegen. Ein MTV-Highlight, von denen es sonst nicht viele gab. Im Angriff lief bei den Wölfen nichts. Das Abwehrverhalten der Gastgeber war vom Wiederanpfiff bis zur 42. Minute nicht bewertbar, weil die Wölfe überhaupt keinen Druck erzeugten.

vikhrov hawaleschka schlaubetal mtvFrühzeitige Abspielfehler oder übereifrig ausgelöste Wurfbewegungen verlangten der HSG in dieser Phase keine großen Kunststücke ab. Zwar gilt im Handball als goldene Regel, dass man sich in der Abwehr nicht ausruhen darf. Die Wölfe luden die HSG aber dazu förmlich ein. So hatten die Hausherren genug Energie, um sich im Angriff auszutoben und auch da half der MTV fleißig mit. Als Leroy Ulbrich von Linksaußen einen Dreher am Tor vorbei schnörkelt, holt HSG-Keeper Jakub Warnka den Ball fast aus der Spielfeldecke und spaziert zurück aufs Feld. Die Umschaltbewegung der Wölfe geschieht aber so langsam, dass Warnka keine Mühe hat, den Ball vom eigenen an den gegnerischen Kreis zu spielen. Mateusz Krzyzanowski kann ungehindert annehmen und den Ball verwandeln – 21:13 (38.).

Die Wölfe präsentieren sich in dieser Phase komplett kopflos. Offensiv ohne Konzept und ohne Druck. In der Umschaltbewegung träge und einladend für Konter. Mit Beginn der Schlussviertelstunde ist das Spiel quasi vorbei. Glück für die Wölfe: Die HSG lässt Gnade walten, schaltet zur Schlussphase einen Gang zurück und gibt dem MTV so die Chance, doch noch etwas Spielanteile zu gewinnen. Das bringt dann doch die ein oder andere sehenswerte Aktion ins Wölfe-Spiel. Egor Vikhrov darf auf der Spielmacherposition agieren, bedient mit zwei schönen Anspielen Erik Klaus am Kreis. Der vollendet sehenswert, wird aber vom Kampfgericht der HSG bestraft. Denn konsequent werden alle seine fünf erzielten Tore auf das Konto von Leroy Ulbrich geschrieben. Der warf zwar im gesamten Spiel nur vier Mal aufs Tor, hat laut Protokoll aber sechs Treffer erzielt.

Nach den zwei sehenswerten Toren von Klaus am Kreis fällt das Tor des Tages durch Nils Barsch. Nach einem Fehlpass der HSG schnappt sich der Wölfe-Schlussmann die Kugel, sieht das Warnka etwas weit vor seinem Tor steht und setzt den Wurf an. Eine handbreit über den Fingern des Torhüters und eine handbreit unter der Latte schlägt die Kugel ein. Das Heim-Publikum ist genauso sprachlos, wie in den 47 Minuten zuvor. Auch die einzigen drei Klatschpappen, die ihre Mannschaft noch anfeuerten, geben einen kurzen Augenblick Ruhe. Bitter für die Heimmannschaft: Die Halle ist gut gefüllt, dennoch ähnelt die Stimmung bei den Angriffen und Toren der HSG einer Geisterbahn. 

Nach Barschs Treffer zum 27:18 passiert nichts aufregendes mehr. Schlaubetal kontert sich noch zu einem Vorsprung von 12 Toren und feiert somit den zweithöchsten Sieg der Saison. Die Wölfe hingegen verlassen ratlos das Feld. Die Blicke sind dabei ähnlich leer wie das Spiel zuvor. Für den MTV ist es die höchste Niederlage seit 1365 Tagen. Zuletzt kassierte man im März 2015 eine 33:19-Niederlage beim HC Bad Liebenwerda II in der Landesliga Süd. Die Wölfe bekommen in der Vorweihnachtszeit die personellen Ausfälle einfach nicht kompensiert. Mit Dirk Becker und Sven Neuendorf (beide Kreuzband) fehlen den Wölfen zwei wichtige Führungsspieler. Der Rest der Mannschaft konnte an diesem Tag kein normales Level erreichen. Nun hat das Rudel Zeit, sich neu zu sortieren. Das Team überwintert auf Platz 7 und hat nun bis zum 26. Januar Zeit bis zum nächsten Spiel. Dann reist das Rudel zum Tabellenzweiten Grün-Weiß Finsterwalde.

HSG Schlaubetal – Wünsdorfer Wölfe 36:24 (15:11)

timeout schlaubetal mtv

HSG Schlaubetal: Warnka, Möbus, Voß – Hanschel 9, Korau 6, Krzyzanowski 6 (0/1), Stalla 4, Krüger 3, Zimmermann 3, Hallert 2, Jüterbock 2, Nadolle 1, Hötzel
Wünsdorfer Wölfe: Barsch 1, Hirsing – N. Seegebrecht 9, Klaus 5, Baumann 3, Vikhrov 2, Hawaleschka 2, Wendland 1, Ulbrich 1, Lange, J. Rackwitz
Schiedsrichter: Peter Sydlik / Gino Jank – hatten mit dem Spiel überhaupt keine Probleme. Ein faires Spiel ohne große Reibereien leiteten sie souverän durch

Gelbe Karten: Krzyzanowski, Stalla, Zimmermann – J. Rackwitz, Wendland, Hirsing, N. Seegebrecht
Zeitstrafen: 4:3 (Krzyzanowski, Hallert, Stalla, Hötzel – Wendland, Ulbrich, Baumann)
Rote Karten: 
Blaue Karten: 

Siebenmeter: 2/4 (50%) – 6/7 (85,71%)
Wurfquote: 36/55 (65,5%) – 24/45 (53,3%)